OV Mülheim-Kärlich e.V.

 

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Unsere Geschichte

"Wer seine Geschichte nicht erzählen kann, existiert nicht."

 

Angeregt durch ein größeres Explosionsunglück am 5. April 1919 im Pulverdepot in Mülheim (am Bubenheimer Berg), setzten sich im Februar 1920 einige Männer und Jungen zusammen, um sich für den Dienst als Rotkreuzhelfer zur Verfügung zu stellen. Da ihre Zahl zu klein war, um als freiwillige Sanitätskolonne anerkannt zu werden, suchte man vorläufig Anschluss bei der Sanitätskolonne Weißenthurm. Es war aber außer dem guten Willen der Gründer nichts vorhanden, womit man sich ausbilden und helfen konnte. So dauerte es zwei Jahre, bis die Ausbildung vollendet und der DRK-Zug Mülheim das erste Mal in der Öffentlichkeit auftreten konnte. Die ärztliche Betreuung hatte Dr. Fervers übernommen. Die Leitung als Zugführer lag in den Händen von Peter Windhäuser. Den Vorsitz übernahm der damalige Ortsvorsteher Nikolaus Reitz.

Es folgten nun bittere Jahre für die Rotkreuzmänner; denn außer dem Arzt und dem Kolonnenführer aus Weißenthurm kümmerte sich niemand um sie. Im Januar 1926 übernahm Simon Kollig den Vorsitz und kurze Zeit später auch die Leitung des Zuges. Zu diesem Zeitpunkt waren nur wenige Ausrüstungsgegenstände vorhanden: je Mitglied eine Rotkreuzmütze und eine Papierverbandstasche; dazu zwei alte Tragen. Um die Uniformierung zu vervollständigen, wurde unter den Mitgliedern eine Kleiderkasse gegründet, so dass man einen Ballen Uniformstoff einlösen konnte. Ein Jahr später waren die ersten Uniformröcke angefertigt. Mit Hilfe der Gemeindekasse wurde die Uniformierung vervollständigt und weitere Ausrüstungsgegenstände angeschafft.

Das Bestreben eine selbstständige Sanitätskolonne zu werden, führte im Jahre 1928, als die benötigte Kopfzahlstärke erreicht war, zum Erfolg. In diesem Jahr übernahm Dr. Grasmück die ärztliche Leitung.

Im Jahre 1935 wurde auf höheren Befehl die Sanitätskolonne Weißenthurm mit der Sanitätskolonne Mülheim vereinigt zu einer Amtssanitätskolonne Weißenthurm – mit dem Sitz in Mülheim. Zwei Jahre später entstand aus der Amtssanitätskolonne Weißenthurm die Bereitschaft Koblenz-Land II Mülheim. Nachdem nun auch in den anderen Orten des Amtsbezirkes Weißenthurm weitere Züge und Gruppen aufgestellt waren, betrug die Stärke der Bereitschaft 150 Mann.

Nach dem Krieg dauerte es bis Mitte des Jahres 1948, bevor das Rote Kreuz in unserer Gemeinde wieder in Tätigkeit treten konnte. Die ärztliche Leitung übernahm Dr. Franz Pohl. Die Leitung der Bereitschaft und des Ortsvereins wiederum Simon Kollig. Die erste Kreisverbandsübung im Jahre 1953 wurde der Bereitschaft übertragen, unter der Leitung des Bereitschaftsarztes Dr. Franz Pohl und des Bereitschaftsführers Simon Kollig.

Peter Risch trat, nach vier Jahren im Amt, 1964 als Bereitschaftsführer zurück. An seiner Stelle wurde Franz Müller als kommissarischer Bereitschaftsführer vorgeschlagen und vom Kreisverband bestätigt. Die Stärke der Bereitschaft betrug neun weibliche und dreißig männliche Rotkreuzhelfer. Die weiblichen Rotkreuzhelfer wurden in der Nachkriegszeit bis zum Jahre 1968 von Frau Baulig geführt. Wegen Krankheit war Frau Baulig gezwungen zurückzutreten. Danach übernahm Fräulein Katharina Müller und später Frau Änni Neuert die Betreuung der Helferinnen. Beide traten aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls zurück. Nach 43-jähriger Führung (1926-1968) trat der 1. Vorsitzende Simon Kollig von seinem Amt zurück und wurde durch den bisherigen Bereitschaftsführer Franz Müller, der nun den Vorsitz übernahm, abgelöst. Aus Dankbarkeit für die geleistete Arbeit in den vielen Jahren ernannte die Generalversammlung am 8. Dezember 1968 den 1. Vorsitzenden Simon Kollig zum Ehrenvorsitzenden.

Im Jahre 1980 wurde ein Sanitätszelt (24 qm) angeschafft. In den Folgejahren wurden für das Zelt ein Stromerzeuger, eine Beleuchtungsanlage, fünf Feldbetten und ein Sanitätskasten für Katastrophenfälle erworben. Zur besseren Koordinierung bei  größeren Sanitätseinsätzen, z.B. Karnevalsumzügen, wurden drei Handfunksprechgeräte gekauft. Da die Anzahl der Sanitätseinsätze erheblich zugenommen hat, wurde 1983 die Anschaffung eines Krankentransportwagens notwendig. Zur Ausstattung dieses Krankentransportwagens gehörten eine Vakuummatratze, ein Notfallkoffer und ein Beatmungsgerät. In den Folgejahren begann man einige der Helfer mit „stillen Alarmierern“ auszustatten. Bei Alarm durch die Feuerwehr, rückten diese Helfer zur Unterstützung mit dem Krankenwagen des Ortsvereines aus.

Anlässlich eines Festes unseres Ortsvereins zum 125-jährigen Bestehen des Internationalen Roten Kreuzes, wurde dem Vereinsvorsitzenden Franz Müller am 7. Mai 1988 für 50 Jahre aktive Rotkreuz-Arbeit die goldene Ehrennadel des Deutschen Roten Kreuzes verliehen. Dieser übergab das Amt des Vorsitzenden im Jahre 1991 an Lorenz Riehl.

Mit der Zeit sammelte sich immer mehr Material an und auch die Fahrzeuge brauchten einen sicheren Standort. So wurde das Finden einer geeigneten Unterkunft in den kommenden Jahren zu einer immer wiederkehrenden Aufgabe des Ortsvereins. U.a. zählten das Jugendzentrum Mülheim, zwei Spinde im Flur des Rathauses, die alte Kapelle am Rathaus, eine Garage des Feuerwehrhauses, der  Keller der Kurfürstenhalle und der Betriebshof  Mülheim-Kärlich zu Stationen unserer Fahrzeuge und als Treffpunkt der Aktiven. Mit der Zeit entwickelte es sich, dass der Ortsverein drei Standorte gleichzeitig besaß - einen für die Fahrzeuge, einen zweiten für das Material und einen Dritten als Treffpunkt der Bereitschaft. Dies war ein sehr ungünstiger Zustand und kostete nicht nur im Einsatzfall wertvolle Zeit. Im Jahre 2014 konnte dann endlich der Mietvertrag für eine eigene Halle in der Ringstraße unterschrieben werden. In stundenlanger, harter Arbeit und mit viel Hilfe durch Nichtmitglieder, wurde aus dem alten Steinmetz-Betrieb, innerhalb eines Jahres, eine Halle für die beiden Fahrzeuge und das Material.

Zuvor wurde es einige Jahre zunehmend ruhiger um den Ortsverein, bis im Jahre 2014 der neue Vorsitzende Heiko Steffens sein Amt antrat. Der seit 1969 aktive Winfried Anheier, der als 2. Vorsitzender und Verantwortlicher der Blutspenden agierte, wurde im selben Jahr zum Ehrenmitglied ernannt. Geehrt wurde außerdem Lorenz Riehl, der zur Anerkennung seines Engagements zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Dem ersten Aufschwung und neuer Motivation folgten der Kauf eines MTW (Mannschaftstransportwagen), sowie der Verkauf unseres in die Jahre gekommenen KdoW (Kommandowagen). Das 2012 neu gegründete Jugendrotkreuz wuchs  auf bis zu 50 aktive Kinder und Jugendliche, was ebenfalls frischen Wind in den Ortsverein brachte. Ehemalige Aktive des Ortsvereins wurden mobilisiert und fanden, neben einigen Neulingen, den Weg zurück zur aktiven Bereitschaft.

Im Jahr 2016 gaben die bisherigen Vorsitzenden Heiko Steffens und Winfried Anheier ihre Ämter auf. Ihre Nachfolger wurden mit Kreisbereitschaftsleiter Franz Dreher (1. Vorsitzender) und Lorenz Riehl (2. Vorsitzender) zwei altbekannte Gesichter. Unter der Leitung eines fast komplett neu formierten Vorstandes wurden, liegengebliebene Renovierungsarbeiten in unseren Schulungsräumen wieder aufgenommen. Die durch den Abriss der Kärlicher Grundschule abgegebenen Räumlichkeiten im Keller der Kurfürstenhalle, stehen dem Verein seit Sommer 2018 wieder zur Verfügung. Unser Jugendrotkreuz und die Breitenausbildung haben hier eigene und neue Bereiche erhalten.

Viele unterschiedliche Menschen haben diesen Verein über Jahre geformt und ihm eine Richtung gegeben. Nun freuen wir uns auf die vielen Aufgaben die noch vor uns liegen und auf viele weitere gute Jahre u.a. das 100. Jubiläum im Jahr 2020.